Wenn andere Leute schlafen gehen, packen sie ihre Koffer und machen sich auf den Weg in die Arbeit. Während die Anderen an ihren Schreibtischen sitzen, liegen sie in Morpheus Armen: die Stars der Nacht – die DJanes.
Weltweit stehen in den Clubs immer häufiger Frauen an Reglern, ihr Arbeitsplatz ist eine Kanzel mit zwei Turntabels und einem Mischpult – Deutschland ist da keine Ausnahme. DJanes stellen zwar erst knapp 20 Prozent der Bookings, doch der Trend ist klar zu erkennen. Als die Nürnberger Schuhverkäuferin Marusha Geiss 1994 mit "Somewhere Over The Rainbow" die bestverkaufte Techno-Single aller Zeiten (über 500.000 Stück) herausbrachte, war der Startschuss für den Vormarsch der DJanes gefallen.
Heute kennen alle Clubber die Namen der großen Frauen an den Turntables: Eno-C, Miss Yetti, Acid Maria, Ellen Alien, Monika Kruse und und und. Dass diese Frauen wirklich was auf dem Kasten haben, mussten die männlichen Kollegen 1998 zum ersten Mal schwarz auf weiß hinnehmen. Damals rief das Frankfurter Techno-Magazin "Groove" seine Leser zum alljährlichen Poll auf. Monika Kruse aus München verwies die Vorzeige-DJs der Szene Paul Van Dyk, Westbam und Konsorten auf die hinteren Ränge, nur Sven Väth und DJ Hell konnten sich gegen sie durchsetzen.
Monika Kruse organisierte Anfang der 90er Jahre illegale Housepartys, bei denen sie immer wieder selbst auflegte. Nach vielen kleinen Bookings in Bars und sogar in einer zum Party-Zug umfunktionierten Straßenbahn kam 1994 mit der Eröffnung des damaligen Münchner Techno-Club Nummer eins, dem Ultraschall, ihr Durchbruch. Von Anfang an war sie als Resident Act in den Technohallen des ehemaligen Flughafen Riem mit dabei. Diverse Plattenverträge folgten und internationale Bookings waren an der Tagesordnung. Heute zählt sie zu den erfolgreichsten deutschen DJanes überhaupt.
Doch die Arbeit als DJane bedeutet nicht nur gekonntes Auflegen und eine riesige Vinyl-Sammlung. Nach wie vor ist das DJ-Business eine Männerdomäne, in der sich Frauen immer wieder beweisen müssen.
Nachwuchs-DJane Ramona aus München hat zwar schon eine ziemlich eindrucksvolle Liste mit Locations, in denen sie ihr Können zum besten gegeben hat, doch so richtig will es mit festen Bookings nicht klappen: "Das ist vielleicht Neid, Missgunst und auch die Angst, dass eine Frau ein Metier betritt, das eigentlich sonst Männerdomäne war - eben das Produzieren, am Mischpult - und nicht nur irgendwie Songs schreiben oder Lieder singen." Sie erkennt allerdings auch die andere Seite: "Wenn man mal einen Vertrag an Land gezogen hat, ist es für eine Frau einfacher, bekannt zu werden. In der Außenseiterrolle erregt man mehr Aufsehen als ein Mann."
Auch immer mehr Clubbetreiber setzen auf Girlpower an den Turntables: Hennig, Betreiber des Hamburger Kult-Clubs "Click" hat zum Beispiel in seinem Monatsprogramm immer wieder einen Female-Act. "Namen wie Eno-C und Ellen Alien von Bpitch Control sind in der Szene zu festen Begriffen avanciert und ziehen neben ihrem Aussehen vor allem mit ihren Sets die Leute in den Club", erklärt er sein Konzept. Und die Gästezahlen an diesen Abenden geben ihm Recht. Wenn zum Beispiel Eno-C, ein niederländisches Model, das lieber auflegt, als sich nur ablichten zu lassen, auf den Flyern zu sehen ist, kommen viele Neugierige, die wissen wollen, ob sie mehr kann, als nur hübsch zu lächeln. Dass sie und ihre Kolleginnen mehr drauf haben, da ist sich Henning ganz sicher: "Bis jetzt haben die Ladys noch jeden überzeugt. Schön sein reicht einfach nicht, um die Party People die ganze Nacht im Club zu halten."
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Autor: Bernd Pipo