"Here we are now, entertain us." Ob Kurt Cobain mit diesem zynischen Spruch wirklich eine sozialkritische Aussage abgeben wollte sei dahingestellt, definitiv aber floss das Zitat in die Lyrics des Songs "Smells like Teen Spirit" ein, der zur Hymne der 90 Jahre wurde. Als Sprachrohr für eine ganze Nation sah sich der Sänger und Frontman von Nirvana aber nie. Auch empfand er den Rummel um die Band und ihren Erfolg als übertrieben und nicht gerechtfertigt, was wohl auch an seiner Verachtung gegenüber der Musikindustrie gelegen hat. Nichtsdestotrotz hatten Nirvana großen Einfluss auf die Musikszene, machten den Indie-Rock Mainstream-fähig und setzten mit ihrer Auflösung bzw. Kurt Cobains Tod dem Grunge ein Ende.
Schon früh äußerte der in Aberdeen geborene Kurt Cobain den Wunsch Rockstar zu werden. Seine erste Gitarre bekam er im Alter von zwei Jahren. Doch erst durch die Scheidung seiner Eltern wurde er auf tragische Weise inspiriert, was den Nährboden für sein späteres Schaffen bildete. Seinen musikalischen Ziehvater Buzz Osborn (Melvins) lerne er bereits als Teenager kennen. Ende der 80er Jahre, nach zahlreichen Versuchen im Musikbusiness Fuß zu fassen, entstand dann zusammen mit Bassist Krist Novoselic (heute: Foo Fighters) die Band Nirvana.
Nach einem Umzug nach Olympia bei Seattle, wo bereits zu dieser Zeit Grunge-Rock in den Fokus der Szene rückte und Heavy Metal zum Mainstream geworden war, war es Zeit für eine neue Bewegung. Da kamen Nirvana gerade Recht und wurden wie andere Bands dieser Zeit mit einer Fusion aus Metal, Punk und Hardcore bei dem Label Sub Pop bekannt. Insbesondere der depressive, Autorität ablehnende Charakter Kurt Cobains mit seiner für Rock-Musiker untypischen Anti-Macho-Haltung traf den Nerv der 90er Jahre.
Nach einem Wechsel des Labels und dem Engagement des Schlagzeugers Dave Grohl war die Zeit für "Nevermind" gekommen. 1992 wurden Nirvana bei den MTV Video Music Award in der Kategorie Best Alternative Music Video und Best New Artist Video geehrt. Der Auftritt, bei dem sie ihr Equipment zerstörten und Cobain auf das Klavier von Axl Rose spuckte, entsetzte die Musikwelt und die Zerstörung wurde bald zum Markenzeichen der Band. Einige Singlereleases, Gefängnisstrafen und Rehabilitationsversuche Kurt Cobains später, erschien 1993 das Album "In Utero" und stieg in mehreren Charts auf Platz Nummer 1 ein. Ihr letztes Konzert spielten Nirvana während ihrer Europatournee im Terminal 1 des ehemaligen Flughafens München-Riem am 1. März 1994. Nach einem Krankenhausaufenthalt brach Kurt Cobain seinen letzten Versuch eines Drogenentzugs ab und wurde eine Woche später, am 8. April, tot aufgefunden. Zu den Gründen seines Suizids zählt der Zwiespalt gegenüber der Musikszene: Während der Unmut der Band gegenüber der Kulturindustrie inszeniert erschien und der Band selbst nur mehr Ruhm einbrachte, steigerte dies die Unzufriedenheit Cobains. Trotz des Endes der Band wurden Nirvana weiterhin ausgezeichnet und auch das Interesse an ihrer Musik hielt an.
An die legendäre Grungeband erinnert ab April 2011 die weltgrößte Nirvana-Ausstellung in Seattle. Dort werden 200 Erinnerungsstücke aus der Bandgeschichte mit unter anderem noch nie veröffentlichem Material ausgestellt. "Nirvana: Taking Punk to the Masses" "soll eine greifbare, menschliche Sicht auf den Verlauf ihrer Karriere von den Anfängen in Aberdeen bis auf die Bühnen dieser Welt ermöglichen", sagt Jacob McMurray, Senior Kurator beim Experience Music Project (EMP). In diesem Sinne: "Here we are now, entertain us".
"Nirvana: Taking Punk to the Masses" 16. April 2011 bis 22. April 2013
Experience Music Project, Seattle
www.empsfm.org
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