Baz Luhrmann - Im Interview - © tcfhe.de
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Der Erfolgsregisseur von Filmen wie "Moulin Rouge", "Romeo & Julia" oder "Australia" erzählt, wie er die erneute, intensive Auseinandersetzung mit seinen Werken erlebt hat.

Erzählen Sie uns doch bitte, wie Sie zu Ihrem Spitznamen "Baz" kamen.

BL: Nun ja, ich war schon immer so wie ich jetzt  bin, auch schon als Kind. Shows, Kreativität… nun ja, auf jeden Fall eine auffallende Person. Eigentlich schüchtern, aber das kompensierte ich durch jede Menge Shows und Geschichten. Als ich dann als Kind vom Land in die Stadt zog, kam ich auf eine sehr repressive Jungenschule. Und ich war derjenige mit den verrückten Haaren, auf dem jeder rumhackte. Im TV gab es eine Sendung mit einer Fuchs-Puppe namens Basil Brush, und nach der wurde ich benannt. Als sich meine Eltern trennten, blieb ich bei meinem Dad und der Name blieb irgendwie hängen.

Und warum haben Sie den Namen bis heute behalten? Ihr Geburtsname Mark Anthony ist doch auch schön…

BL: Ja, aber irgendwie fand ich, dass Baz besser zu mir passt. Ich wollte mich selbst erschaffen, mir selbst einen Namen geben. Ähnlich wie Bono von U2 – keiner denkt an ihn als "Paul". Ich denke, dass manche Kinder, die kreativ sind, einen Spitznamen verpasst bekommen, oder sich selbst einen nehmen. Und ich war eben einer von denen, die selbst einen gewählt haben. Ich war noch in der High School, als ich meinen Vornamen offiziell ändern ließ. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich mich selbst erschaffen werde.

Sie haben nun zwei Ihrer Filme noch einmal sehr genau unter die Lupe genommen – würden Sie im Nachhinein etwas ändern?

BL: Bei jedem meiner Filme finde ich im Nachhinein Mängel. Es gäbe wohl Dinge, die ich heute anders machen würde. Viele, viele Dinge sogar. Jedoch – und das ist ein wichtiger Punkt – vergleiche ich meine Filme auch mit einer Vaterschaft. Zu einem gewissen Zeitpunkt erschafft man etwas. Wenn dann die Zeit vergeht und andere Menschen eine Beziehung zu diesem Film/Kind aufbauen, wird man selbst immer weniger Teil dieser Beziehung. Dinge, von denen ich denke, dass sie nicht perfekt sind, sind genau das, wovon andere denken, dass es das Beste daran ist. Man muss also sehr, sehr vorsichtig sein und nicht genau das ändern, was den Film eigentlich ausmacht.

Was gefällt Ihnen an der neuen Technik?

BL: Blu-ray ist auf jeden Fall bemerkenswert, da man einen Film wohl kaum in einer besseren Qualität sehen kann. Gerade die Möglichkeit, den Tri-Color MGM Look beizubehalten, den ich ursprünglich haben wollte, ist toll. In puncto Qualität ist das also nicht zu schlagen. Und dann der Platz für die ganzen Extras, die wir darauf packen konnten – komplett ungeschnittenes Material aus unserem Haus in Australien mit den ganzen Darstellern, das noch nie jemand gesehen hat – das werden die Zuschauer hoffentlich bemerkenswert finden.

Gibt es auch Gefahren?

BL: Ja, auf jeden Fall. Ich habe Filme gesehen, die vom Look her so verändert wurden, dass ich sie danach nicht mehr mochte. Das ist wie mit einem guten Freund, der sich liften lässt und ihn danach keiner mehr erkennt. Das wollte ich unbedingt vermeiden.

Haben Sie bereits bestimmte Schauspieler im Kopf, wenn Sie einen Film schreiben?

BL: Manchmal. Bei "Romeo & Julia" war es so, dass ich mir in der Entwicklungsphase den Kopf zerbrach, wie wir einen Romeo finden sollten. Irgendwann sah ich dann ein Foto von Leonardo DiCaprio, von dem ich damals dachte, er sei einfach irgendein Teenie-Star. Ich wusste nicht einmal, dass er Schauspieler war, aber mir war sofort klar, dass unser Romeo genau so aussehen sollte. Und dann stellte sich heraus, dass er Schauspieler war. Ich sah mir dann Gilbert Grape an und er war nicht nur gut, er war herausragend! Nachdem ich ihn dann getroffen hatte, wurde mir bewusst, dass er ein Prinz ist. Jetzt ist er natürlich ein König, was die Schauspielerei betrifft, aber sein Fokus damals schon – immer zählte nur die Arbeit. Das ist selten. Und er ist auch eine Besonderheit, wenn es darum geht, Kunst zu machen.

Und wie war es mit Nicole Kidman als Satine?

BL: Ich habe zuvor schon mit Nicole gearbeitet und ich liebe sie. Sie ist sehr streng mit sich selbst und war einfach genau die Richtige. Bei der Entwicklung habe ich meine inneren Instinkte heraufbeschworen und so dachte ich daran, dass wir sie für diese Rolle haben wollen. Vor „Moulin Rouge“ kannte ich sie noch nicht so gut, sah mir dann alles von ihr an und sie überzeugte mich. Als sie dann gerade am Broadway auftrat, schickte ich ihr einen großen Strauß Rosen in ihre Garderobe mit einem Zettel dabei, auf dem stand: "Satine. Sie singt, sie tanzt und sie stirbt." Das ist ein verdammt guter Angelhaken für Schauspieler!

Und worauf konzentrieren Sie sich jetzt gerade?


BL: Australien ist meine Heimat, darum ging es in "Australia" auch um Familie und Wurzeln. Und so war es auch mit Frankreich und "Moulin Rouge", wo wir auch viel Zeit verbrachten. Nun haben wir immer wieder in New York gelebt und darum entwickle ich gerade einen Film, der in New York spielen wird.


Die beiden Filme von Luhrmann, "Moulin Rouge" und "Romeo & Julia" jetzt pünktlich zu Weihnachten auf Blu-ray erhältlich.




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Autor: Bernd Pipo

 
 
 
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